Countdown T-70 Tage

Countdown T-70 Tage

Seit kurzem sind wir im dritten Trimester. Das heißt der angepeilte Geburtstermin ist nur noch zwölf Wochen (mittlerweile sogar nur noch zehn) entfernt und es beginnt sich eine leichte Grundnervosität einzustellen. Ab der 36. Woche (also 35+0) ist die Entbindung an Orten ohne angeschlossene Kinderklinik möglich (bzw. vorher verweisen einen die meisten zur Sicherheit weiter). Auch wenn die meisten Kinder in der Zeit +/- 10 Tage um den Geburtstermin zur Welt kommen, kann es in den fünf Wochen vorher jederzeit losgehen. Das bedeutet, der Zeitrahmen, um die letzten Vorbereitungen abzuschließen, wird langsam aber sicher immer enger.

In den letzten Zügen der Schwangerschaft gilt es langsam alles „in trockene Tücher“ zu bekommen, um sich am Stichtag voll und ganz auf die wichtigen Dinge konzentrieren zu können. Was für uns in den nächsten knapp zehn Wochen noch ansteht sieht wie folgt aus.

1. Formelles

Je eher man die Formalien aus dem Weg geschafft hat, desto besser. Es gibt zwar eine Reihe von Dingen, die erst nach Geburt der Kindes möglich sind, aber was schon mit Hilfe des Mutterpasses erledigt werden kann, sollte spätestens jetzt angegangen werden.

Dazu gehört vor allem die Planung der Elternzeit. Der Antrag dieser ist laut Gesetz bis sieben Wochen vor (geplantem) Antritt zu stellen. Wer also gleichzeitig mit der Geburt in Elternzeit gehen möchte, der sollte in den nächsten drei Wochen alles regeln. In den ersten drei Jahren nach Geburt kann die Elternzeit zwischen den Partnern beliebig eingeteilt werden, wobei die Mindestbezugsdauer zwei Monate beträgt. Bis zu einem Jahr pro Elternteil kann aufgehoben und im vierten bis sechsten Jahr nachgeholt werden. Elterngeld wird in dieser Zeit für insgesamt 14 Monate gezahlt, wobei ein Partner maximal 12 nutzen darf. Die Details werden im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG).
Je nach Arbeitgeber sind die Anforderungen an den Antrag verschieden und es ist nicht verkehrt sich mit dem Chef vorher über die Planungen auszutauschen. Auch wenn der Anspruch auf Elternzeit besteht, gilt es in vielen Berufen immer noch nicht als normal, wenn vor allem Väter länger als zwei Monate für sich beanspruchen wollen.

Falls noch nicht geschehen wird es außerdem Zeit, sich für ein Krankenhaus zu entscheiden. Alle Krankenhäuser bieten regelmäßige Infonachmittage an, bei denen man auch den Kreißsaal besichtigen kann. Aber auch außerhalb dieser Termine kann man meist relativ spontan im Krankenhaus um einen Termin bitten. Sofern die Hebammen nicht gerade mit einer Geburt beschäftigt sind, sind sie meist gerne bereit einem die Station zu zeigen. Möchte man nicht im Krankenhaus entbinden gibt es eine Reihe anderer Orte für die Geburt. Oftmals sind die Anmeldetermine z.B. für Geburtshäuser zehn Wochen vor Geburt aber schon verstrichen.

Für alle unverheirateten Paare gilt es die Vaterschaft und das Sorgerecht zu klären. Beide Formalien kann man durch einen persönlichen Termin auf dem Jugendamt unter Vorlage der Personalausweise und des Mutterpasses kostenlos erledigen. Alternativ kann man einen Notar beauftragen, muss hierfür die Kosten aber selber tragen. Sofern sich die Eltern einig sind ist die Anerkennung auf dem Jugendamt überhaupt kein Problem – seit ein paar Tagen bin auch ich offiziell Vater meines Kindes. 🙂

2. Geburtsplan

Ein Punkt, der in den meisten Ratgebern zur Schwangerschaft in diesen Wochen angesprochen wird, ist das Aufstellen eines Geburtsplans. Dabei geht es darum sich über die Wünsche vor allem der Mutter hinsichtlich der Entbindung auszutauschen. Nur wenn der werdende Vater diese genau kennt, kann er sie in der Hektik der Geburt gegenüber Hebammen und Ärzten durchsetzen.
Zu den Punkten, über die man sich Gedanken machen sollte gehören: bevorzugte Position, anwesende Personen, schmerzreduzierende Maßnahmen (Stichwort PDA) oder die Einstellung zum Kaiserschnitt.

3. Besucher

Besuch im Krankenhaus oder Wochenbett ist ein weiteres Thema, über das man sich besser vorher Gedanken macht. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Im Krankenhaus ist die Zeit viel zu anstrengend und auch zu kostbar, um Sie mit Heerscharen von Tanten, Cousins oder Nachbarn zu verschwenden. Natürlich gibt es Personen, die man in dieser Phase um sich haben möchte, aber dieser Kreis ist meist kleiner als man zunächst denkt. Wichtig ist, dass vorher klar ist, wer auf jeden Fall im Krankenhaus auftauchen soll. Bei uns lässt sich dieser Kreis an einer Hand abzählen – nun heißt es den Rest darauf einzustellen, dass Überraschungsbesuche im Krankenhaus nicht angebracht sind.

Im Wochenbett weitet sich der Kreis erwünschter Personen in der Regel aus. Wichtig ist, sich nicht zu viel zuzumuten. Die Toleranzgrenze ist hier bei jedem verschieden, aber sobald diese erreicht ist, ist es Aufgabe des Vaters, die Gäste höflich vor die Tür zu setzen.

4. Kinderzimmer

Das Kinderzimmer ist so eine Sache. Neugeborene haben könnten sich nicht weniger für die Farbe der Wände interessieren. Bis sich das Kind Gedanken über die Einrichtung macht wird noch einige Zeit vergehen. Die Einrichtung des Kinderzimmers sollte also vor allem praktischen sein. Falls neue Möbel angeschafft werden, macht es Sinn diese in den nächsten Tagen aufzubauen, damit sie genügend Zeit zum Auslüften haben. Wer sich mehr Mühe macht, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er sich den Aufwand hauptsächlich für sich selber macht. Genau das kann aber eine sehr schöne Erfahrung sein. Für mich war die Renovierung des zukünftigen Kinderzimmers eine Vorbereitung auf die bevorstehenden Veränderungen.

5. Inventur

Wenn im Kinderzimmer genug Stauraum entstanden ist, wird es Zeit sich um das „Babystarterset“ zu kümmern. Also heißt es Inventur machen, was schon an Babykram zusammengekommen ist und was man noch besorgen muss. Auch hier gibt es wie zu jedem Thema genug Ratgeber, die einem die „must haves“ nach der Geburt aufzählen, aber auch hier sollte man sich das Motto „Weniger ist mehr“ zu Herzen nehmen. Die Läden machen nach der Geburt nicht zu und es bleibt noch genügend Zeit die Garderobe aufzustocken.

Wir haben das Glück durch Freunde und Verwandte mit Babysachen überhäuft zu werden. So viel, dass wir kaum wissen wo wir die ungenutzten Sachen alle Lagern sollen. Das stellt uns vor das spezielle Problem der Katalogisierung, wer später was zurück bekommen muss. Andere Quellen für günstige Strampler sind lokale Babyflohmärkte. Hier erhalten Schwangere Frauen oftmals etwas früher Eintritt als das restliche Publikum. Durch die kurze Tragedauer sind die Sachen meist kaum von Neuware zu unterscheiden – außer durch den Preis.

6. Medienausrüstung

Ich werde zunächst für zwei Monate in Elternzeit gehen. In dieser Zeit werde ich die rasante Entwicklung des Kleinen live miterleben können. Danach heißt es für mich wieder Vollzeit arbeiten – inklusive Pendeln. Unter der Woche werde ich also plötzlich drastisch weniger von meinem Kind haben. Glücklicherweise gibt es heutzutage eine riesige Auswahl an Kommunikationsmitteln, mit denen ich immer auf dem Laufenden bleiben kann. Ob per Videochat in der Mittagspause, Remote-Zugriff auf die Baby-Cam oder beim allabendlichen Sichten der hoffentlich vorhandenen Bilder und Videos des Tages.
Damit das auch funktioniert muss allerdings die Mutter in der Lage sein, all diese technischen Spielereien zu bedienen. Im Moment ist es noch Glückssache, ob sie die Digitalkamera richtig herum hält. Also heißt es in den kommenden Tagen meine Technikbegeisterung an meine Partnerin weiterzugeben (ein Unterfangen das seit zehn Jahren nicht so recht gefruchtet hat). Dazu gehört die Nutzung der XBox als Skype-Client, die Bedienung der Digitalkamera und des NAS als Fotospeicher.

7. Der Name

Das wichtigste zum Schluss. Langsam wird es Zeit sich festzulegen. Die Namenswahl kann helfen sich auf das neue Familienmitglied einzustellen. Auch wenn unsere eigenen Überlegungen noch nicht so richtig voran gekommen sind, haben wir begonnen statt von „dem Kind“ von „Julius“, „Martin“ oder „Rüdiger“ zu sprechen, um uns an den Klang unserer Favoriten zu gewöhnen (nein, diese Auswahl an Namen steht nicht auf unserer Liste und dient nur zur Illustration).

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