Alles anders

Alles anders

Geburten werden heute sehr genau geplant. Im Gegensatz zur Schwangerschaft, die öfters auch mal überraschend kommt, hat man etwas 40 Wochen Zeit, die Geburt zu planen. Welches Krankenhaus soll es sein? Welcher Arzt, welche Hebamme soll uns betreuen? Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Wie stehen wir zu schmerzlindernden Maßnahmen wie einer PDA?

Jeder Ratgeber betont, sich einige Wochen vor dem Stichtag mit diesen Fragen auseinander zu setzen, um vorbereitet zu sein, wenn auf einmal keine Zeit mehr zum Nachdenken ist. Und dieser Rat ist sinnvoll. Ist man erst mal im Kreissaal, ist es zu spät um sich über die Vorzüge einer Unterwassergeburt zu informieren. Dann zählen klare Entscheidungen, sonst werden einem diese im Eifer des Gefechts von Hebammen und Ärzten aus der Hand genommen. Daher haben wir uns einige Faustregeln zurecht gelegt, die wir (und dann letztendlich ich, wenn die Wehen klares Denken nicht mehr möglich machen) durchsetzten wollten. Zum Beispiel, einen Kaiserschnitt so lange wie möglich hinauszuzögern, da die Privatklinik unserer Wahl für den schnellen Griff zum Skalpell bekannt ist.

Doch bei aller Planung mussten wir in der letzten Woche feststellen, wie schnell so ein Plan über den Haufen geworfen werden kann, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Und dann steht man mit seinen einstudierten Faustregeln im Kopf in einem Krankenhaus in dem man eigentlich gar nicht entbinden wollte und alles ist anders. Die einstudierten Atemübungen sind nutzlos und das Training für 20 Stunden Entbindung wirkt lächerlich. Statt dessen steht man in einem Linoleum belegten Flur und muss mit ansehen, wie die schwangere Partnerin in einen neonbeleuchteten OP geschoben wird. Man ist von Hebammen und Ärzten umgeben, mit denen man nie ein Vorsorgegespräch geführt hat, und die von den eigenen Wünschen bei der Geburt nichts wissen. Und auf einmal hört man zum ersten Mal den Begriff Notkaiserschnitt.

Dann geht alles ganz schnell. Von dem Moment, in dem wir das erste Mal mit dieser Entscheidung konfrontiert wurden, bis zur Geburt unseres Sohnes vergingen knapp 30 Minuten; kaum Zeit um sich wirklich mit der Situation auseinander zu setzen. Und jetzt ist wieder alles ganz anders, aber diesmal sind wir darauf vorbereitet. Seit ungefähr einer Woche sind wir Eltern eines kerngesunden Jungen. Nach 38 Wochen warten sind wir nun endlich zu dritt. Da wir in guten Händen waren und uns rechtzeitig dazu entschieden hatten, ins Krankenhaus zu fahren geht es allen gut und wir konnten nach nicht einmal fünf Tagen wieder nach Hause kommen. Jetzt beginnt die spannende Zeit des Kennenlernens: Was ist das eigentlich für ein kleines Wesen, dass da zur Welt gekommen ist?

Am Ende waren alle Planungen im Vorfeld unnötig. Die Realität hat uns schneller eingeholt als uns lieb war. Doch trotzdem war es wichtig, sich mit den Fragen der Geburt auseinanderzusetzen. Im Nachhinein wünschte ich mir nur, ich hätte mich mehr mit den möglichen Alternativen auseinandergesetzt. Auch wenn man nicht zu negativ sein möchte, es besteht immer die Chance, dass Komplikationen auftreten können. Informiert euch daher vorher über die Anzeichen, die ein rasches Handeln notwendig machen und plante auch für diesen Fall. Dann ändert sich nach der Geburt nur eins: Euer ganzes Leben.

Titelbild: „As curious as us (2650977858)“ by Kenny Louie from Vancouver, Canada – As curious as usUploaded by russavia. Licensed under CC BY 2.0 via Wikimedia Commons.

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